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Für diese Woche hatte ich mir als sehenswertes Spiel das Linzer Derby zwischen dem LASK Linz und FC Blau Weiss Linz ausgesucht. Da ich alleine unterwegs war, beschloss ich, um Kosten zu sparen mit der Bahn anzureisen. Alleine hätte mich die Fahrt hin und zurück ungefähr 40€ gekostet, mit der Sparschiene der ÖBB kostete die Fahrt nur 18€. Ein recht gutes Angebot diese billigen Tickets, wobei ich mir auch die Preise für Salzburg, Graz und Klagenfurt angesehen habe, hier zahlt es sich schon wieder weniger bis gar nicht aus auf das Auto zu verzichten. Was auch komisch war – die Eintrittskarte für das Derby konnte man in Wien nur bei oeticket kaufen, dazu musste ich auf die Mariahilferstrasse zum Libro. Bei der Heimfahrt kam ich beim Westbahnhof vorbei und weil ich eben schon da war wollte ich mir die Zugtickets gleich vor Ort kaufen. Ich ging also beim Westbahnhof zum ÖBB Schalter und wollte mir die Tickets kaufen um 18€ - die weniger gut gelaunte Dame am Schalter teilte mir gleich mit, dass das nicht ginge. Sie sagte mir, der Preis gelte nur bei Online Buchung – ich fragte sie natürlich auch, wieviel die Tickets jetzt bei ihr kosten würden. Hätte ich die Tickets vor Ort erstanden, hätte ich 60€ für die gleichen Züge gezahlt statt 18€. Natürlich nahm ich die Tickets nicht sondern buchte sie daheim, für mich war es im Endeffekt egal, alle Wege führen nach Rom. Für andere Leute die von dem Angebot gehört haben aber nicht so gerne Online bestellen oder sich nicht auskennen (Pensionisten z.B.) stellt dies aber schon eine Hürde dar, die nicht unbedingt sein müsste. Soviel mal zur Vorgeschichte und zur ersten Kritik an der ÖBB in diesem Bericht, gleich geht es mit dem Spieltag los!
Seitdem ich die Eintrittskarte erstanden hatte, freute ich mich schon auf diesen Tag. Der Wecker klingelte um 07:30 Uhr, endlich konnte es losgehen. Die Sachen waren schnell gepackt, einmal noch alles kontrolliert und ab ging es zum Westbahnhof. Der Zug sollte um 09:36 Uhr abfahren, natürlich wurde diese Zeit nicht eingehalten. Ich ging früher in die HTL Mödling und musste jeden Tag mit der Schnellbahn von Atzgersdorf/Mauer nach Mödling fahren, die Schnellbahn war an sechs Tagen in der Woche im Schnitt zweimal unpünktlich. Die normale Verspätung war 5-10 Minuten, oft aber dauerte es auch länger – als Schüler war es immer eine Hetzerei, pünktlich zu kommen. Ich war also wenig erstaunt über die Verspätung, zehn Minuten Wartezeit ist auch nicht besonders viel und noch in Ordnung.
Drinnen im Zug erwischte ich einen gemütlichen Einzelsitz bei einer Dreierbank direkt am Fenster. Dann fuhr der Zug ab und das Gefühl von meiner Katalonienreise kam wieder auf – eine Mischung aus Vorfreude und Neugier auf das Neue, was würde mich an dem heutigen Tag alles erwarten? Leider hielt dieses Kribbeln nicht lange an und schwenkte recht bald in leichte Genervtheit um. Nach gerade mal 15 Minuten Fahrt blieb der Zug irgendwo stehen, nach zehn Minuten Wartezeit kam die Durchsage des Schaffners: “ Aufgrund eines Triebwerkschadens wird dieser Zug zurück zum Bahnhof Unter-Purkersdorf zurückgeschoben, dort warten wir dann auf die Ersatzlok. Es kommt zu einer längeren Verzögerung, ich bitte um Ihr Verständnis“. Nach der Durchsage konnte man viele unterschiedliche Reaktionen der anderen Fahrgäste beobachten. Viele griffen zum Handy und riefen entnervt in der Arbeit oder bei ihren Bekannten an und teilten ihnen die Verspätung mit. Andere Fahrgäste so wie ich und ein Herr mittleren Alters, der diagonal gegenüber von mir saß, schauten uns an und sagten mit leichtem Schmunzeln nur: “Typisch ÖBB“. Ich packte den KURIER aus meinem Rucksack aus und was konnte ich da lustigerweise auf der Titelseite sehen? Eine Anzeige der ÖBB, wo sie mit ihrer Pünktlichkeit werben (angeblich im letzten Monat 98% Pünktlichkeit) – diesen Wert konnte ich nur schwer glauben. Irgendwann ging es dann aber doch weiter und ich kam in Linz mit über einer Stunde Verspätung an.
Auf gut Glück und nur nach Gefühl ging ich vom Bahnhof Richtung Hauptplatz los. Ich kam zur Landstraße und ging sie soweit entlang, bis ich in einer Querstraße den Mariendom sah. Nach der Besichtigung des schönen Doms kam ich zum Linzer Landhaus – die Straße davor war abgesperrt und überall gab es kleine Stände mit verschiedensten Köstlichkeiten. Von dort ging es wieder zurück auf die Landstraße, dort wuselte es richtig vor Leuten. Nach ein paar Metern erreichte ich dann den Hauptplatz, dort wurde ich gleich mal von zwei Steirern gefragt wo denn nicht das Donauparkstadion liegen würde. Auch wenn ich noch nie zuvor dort gewesen war, wusste ich von Google Maps so ca. die Richtung. Nachdem ich ihnen die gewünschte Auskunft erteilt hatte ging es über die Donau rüber zum neuen Rathaus, dort sah ich bei einer Straßenbahnhaltestelle, dass man mit der Bahn auch rauf zum Pöstlingberg fahren konnte. Ich kaufte mir ein Ticket und nach kurzer Wartezeit ging es mit der Straßenbahn rauf auf den Berg. Vom Pöstlingberg hat man eine schöne Sicht über ganz Linz, ich kann diesen Platz jedem der Linz besucht nur empfehlen. Oben am Berg entdeckte ich bei einer Bank das erste Pickerl von Blau Weiss Linz – auch hier bekleben Fans wie in Wien öffentliche Flächen mit Stickern. Langsam wurde es dann Zeit für das Stadion, ich fuhr also mit der Bim wieder zum Hauptplatz zurück.
Am Hauptplatz angelangt ging es dann zu Fuß weiter zum Stadion. Linz ist zum Glück nicht wirklich groß, sodass man alles leicht zu Fuß erreichen kann. Beim Stadion angelangt machte sich auch langsam Derby Stimmung breit. Es wurden ein paar Gesänge angestimmt, zwei Blau Weiss Anhänger mit Fahnen gingen beim Eingang des LASK Sektors vorbei - ein paar Halbstarke verfolgten ihre Schritte mit bösen Blicken. Überhaupt entstand schon vor Anpfiff der Eindruck, dass der Großteil der LASK Fans ziemlich jung ist (14-20 Jahre) und die Blau Weiss Fans sich aus eher älteren Leuten (20 Jahre aufwärts) zusammensetzen. Diese erste Einschätzung der Zusammensetzung der Fangruppen bestätigte sich drinnen im Stadion dann immer mehr, warum es diesen deutlich sichtbaren Altersunterschied gibt kann ich nicht genau erklären.
Drinnen im Stadion kurz nach Einlass ereigneten sich dann noch komische Szenen. Ohne ersichtlichen Grund wurde es hektisch, etwa 30 Personen liefen schnell zum LASK Fansektor hin und dort die Stufen hinab. Man konnte auch Gesang von der Richtung wahrnehmen, wenig später sah man schon Ordner vom Spielfeld Richtung Fansektor laufen und hinter dem Blau Weiss Fansektor konnte man die Polizei mit Hunden über den Trainingsplatz gehen sehen. Während der ganzen Unruhe passierte aber zeitgleich auch etwas Merkwürdiges im LASK Fansektor. Ein Typ kam die Tribüne zu den Transparenten heruntergelaufen und montierte rasch das LASK Viking Transparent ab, lief zum Spielfeld und versteckte es dort hinter der Werbebande. Danach kletterte er wieder zurück auf die Tribüne, lief zu einer Ansammlung von Fahnen und klaute dort eine Fahnenstange (vielleicht war es auch eine eingerollte Fahne, es war schwer zu erkennen). Mit seiner Beute lief er dann hoch und verschwand bei dem Abgang. Ich dachte mir nur: “Was war denn hier gerade passiert?“. Ich nehme mal an für den Typen war es eine Art Mutprobe, unter Fangruppen ist es ja ein Sport die Fahnen/Transparente der anderen Fangruppe zu stehlen. Komisch war für mich nur, dass viele LASK Fans im Fansektor wenige Meter daneben standen und alles beobachteten ohne einzuschreiten, wenn einer meinen Banner stehlen wollen würde, könnte ich da nicht tatenlos zusehen. Im Nachhinein erfuhr ich auch durch Internetforen, dass ein paar Blau Weiss Fans mit Stadionverbot oder ohne Karten versucht hatten, den LASK Sektor zu stürmen. It’s Derbytime!
Bis zum Anpfiff tat sich dann nichts mehr, die Gugl füllte sich langsam und dann ging es auch schon los. Beide Fanblöcke empfingen ihre Mannschaften mit einer Choreographie in den jeweiligen Vereinsfarben, danach erfolgte der Ankick. Nach gerade mal 36 Sekunden kam nach einem Freistoß der Ball hoch in den Blau Weissen Strafraum, ein LASK Spieler nudelte ihn irgendwie rein, 1:0 für den LASK. Die eine Hälfte der Zuschauer im Stadion jubelte grenzenlos, die andere Hälfte wähnte sich in einem miesen Albtraum. Das frühe Gegentor schockte die ganze Blau Weisse Mannschaft, die danach nichts auf die Reihe bekam und sehr unsicher und fehleranfällig wirkte. Der LASK nutzte diese Phase des Spiels gut aus und dominierte die ersten 20-30 Minuten des Spiels total, es gab auch 3-4 Großchancen die aber alle knapp nicht genutzt wurden. Nach einer halben Stunde begann auch Blau Weiss mitzuspielen, nach gerade einmal 34. Minuten bekam ein LASKer gelb-rot gezeigt und wurde des Feldes verwiesen. Ab dem Platzverweis war Blau Weiss besser und drückte auf den Ausgleichstreffer, bei der besten Gelegenheit klärte ein LASK Spieler gerade noch so auf der Linie. Kurz vor der Pause gelang Blau Weiss dann doch noch der Ausgleich, mit 1:1 ging es in die Pause.
Die zweite Hälfte konnte leider nicht mit der ersten Halbzeit mithalten, erwähnenswert ist jedoch der zweite Platzverweis. Nach einem Foulspiel bekam ein Blau Weisser die Ampelkarte gezeigt, beide Mannschaften waren ab der 52. Minute wieder mit gleich vielen Spielern auf dem Platz. Die weniger gute zweite Halbzeit war auch dem Schiedsrichter zu verdanken, der heute leider keinen guten Tag erwischte und die Partie total kaputt pfiff. Jede noch so unbedeutende Kleinigkeit wurde gepfiffen, das Spiel wurde nicht laufen gelassen, ein richtiger Spielfluss stellte sich nicht mehr ein. Der LASK Linz und Blau Weiss Linz trennten sich somit im Linzer Derby mit 1:1 unentschieden.
Zur Stimmung möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Beide Blöcke zeigten eine gute Leistung mit ein bisschen Pyro und Rauchbomben. Der LASK Block kam mir etwas lauter vor, was aber nicht weiter verwunderlich war, ich saß auch viel näher dran. Insgesamt eine tolle Vorstellung, sollte ich Zeit haben und auch eine Karte bekommen schaue ich mir das nächste Derby im Donauparkstadion sicherlich auch an.
Die Heimfahrt gestaltete sich im Gegensatz zur Hinfahrt problemlos, es gab nur eine fünf minütige Verspätung – verschuldet durch besoffene ~20 jährige, die der Schaffner erst souverän rausschmeißen musste. Alles in Allem wiedermal eine gelungene Auswärtsfahrt, Linz werde ich sicherlich bald wiedermal besuchen.
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