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Oft hatte ich schon Frauenfußball im Fernsehen gesehen, nun war es an der Zeit sich das österreichische Aushängeschild in dieser Sportart anzusehen - den SV Neulengbach. Der Gegner an diesem Abend im Championsleague Achtefinalhinspiel lautete LdB FC Malmö, die Gäste aus Schweden galten schon vor Beginn der Partie als haushoher Favorit. Was mich genau erwarten würde, konnte ich vorher nicht genau abschätzen und nur erahnen. Würde es irgendwelche gravierenden Unterschiede im Vergleich zu einem Besuch eines Männerspiels geben?
Die Anreise nach Neulengbach gestaltete sich umkompliziert und schnell, die kleine Stadt liegt ja nicht weit von Wien weg. Ich traf relativ zeitig vor Spielbeginn beim Stadion ein und ergatterte einen nah gelegenen Parkplatz, auch vor dem Stadion war noch wenig los. Nach dem Kauf der Karte ging es ohne Leibesvisitation rauf auf die Haupttribüne, vor dem Spiel schaute ich mir noch die ausgestellten Pokale, die von den Erfolgen von Neulengbach berichten, an. Die Haupttribüne wurde dann rasch sehr voll, weshalb ich auf die andere Seite des Stadions wechselte. Normal kommen zu Heimspielen des SV Neulengbach 100-200 Zuseher, heute waren es insgesamt 1000, dies lässt sich sicherlich als Erfolg verbuchen. Lustig war auch zu sehen, dass auf der Haupttrübune überall Aschenbecher herumstanden - im Endeffekt kein Problem, dass Gewaltpotential bei den Zuschauern lag bei 0,0. Was mir bei den Frauen viel besser gefallen hat als bei den Männern - die Aufstellung wurde erst verkündet, als beide Mannschaften vor der Haupttribüne standen. Dies hat den Vorteil, dass man zu den Nummern und Namen gleich ein Gesicht präsentiert bekommt - man sollte das auch bei den Profispielen einführen, vielleicht schaffen es die ORF Kommentatoren dann einmal zur Abwechslung keine Spieler zu verwechseln. Das Publikum erwies sich als überfreundlich und beklatschte auch jede schwedische Spielerin, auch eine Sache die ich besser finde als die ewig eintönigen Schimpfwort- und Pfeifkonzerte.
Endlich ging es dann los, die Schwedinnen zeigten sofort, weshalb sie als haushoher Favorit vorab gehandelt wurden. Schon in der ersten Minute hätte Neulengbach in Rückstand geraten können, der Schuss der Schwedin ging aber zum Glück nur an die Latte. In der 6. Minute griff Malmö über die Rechte seite an, die Flanke zur Mitte kam gut an und die Stürmerin von LdB köpfelte sehenswert ins lange Eck ein. Malmö war der Heimmannschaft spielerisch überlegen und versuchte weiter Druck zu machen. Wenig später unterlief einer Verteidigerin von Neulengbach ein folgenschwerer Fehler in der Vorwärtsbewegung, der unnötige Ballverlust wurde sofort von Malmö mit dem 0:2 bestraft. Von Neulengbach war nach vorne so gut wie nichts zu sehen, bei Angriffen wurde der Ball immer nur hoch auf eine Stürmerin gespielt, die sich natürlich alleine und bei den ungenauen Zuspielen nicht behaupten konnte. Eine Chance auf den Anschlusstreffer hatte Neulengbach dann aber doch noch - ein Schuss aus zentraler Position ging aber ebenfalls wie bei Malmö in der Anfangsminute nur an die Latte.
In der zweiten Halbzeit veränderte sich zu Beginn an den Kräfteverhältnissen kaum etwas. Malmö war technisch und spielerisch um einige Klassen besser, dies muss man einfach neidlos anerkennen. Zwischendurch gab es noch eine unschöne Szene in der die Bank von Malmö viel Glück hatte: das Schutzglas eines der Flutlichter genau über der Malmöer Bank zerriss es und plötzlich regnete es aus gut 20 Metern Glasscherben herab. Zum Glück saßen alle Personen unter dem Dach der Ersatzbank, niemand wurde verletzt. Malmö bekam dann auch noch einen Elfmeter zugesprochen, nachdem die Neulengbacher Verteidigerin mit der Rückennummer fünf heute keinen guten Tag erwischte, sich zum wiederholten Male am heutigen Abend relativ ungeschickt anstellte und im Strafraum ein vermeidbares Handspiel beging. Der Elfer konnte aber von der Neulengbacher Torfrau grandios gehalten werden, ab diesem Zeitpunkt glaubte Neulengbach wieder an sich und kam immer besser ins Spiel. Dem SV Neulengbach gelang in dieser Phase auch der Anschlusstreffer durch einen Geniestreich der Neulengbacher Stürmerin Maria Gstöttner, die die weit vor ihrem Tor stehende Malmöer Torfrau sah, die Chance erkannte und aus etwa 30 Metern in das gegnerische Tor traf. Malmö ließ sich aber nicht lange bitten und stellte in der 77. durch das 1:3 wieder den zwei Torevorsprung her. Malmö gewinnt am Ende ungefährdet das Hinspiel mit 1:3, der Sieg fiel nur nicht höher aus weil die Schwedinnen zu oft arrogant spielten und dabei völlig auf das Toreschießen vergaßen.
Fazit des Spiels: Der Frauenfußball ist nicht unbedingt so schlecht wie ich dachte, Malmö überraschte mich in positiver Weise. Die Schwedinnen zeigten technisch guten und schnellen Fußball, phasenweise gab es sogar Kombinationen mit nur einem Kontakt, ein gelungener Auftritt.
Von Neulengbach bin ich hingegen enttäuscht, von DER Damenmannschaft in Österreich hätte ich mir ein weit höheres Niveau erwartet. Die Verteidigung machte am heutigen Tage keinen guten Eindruck gegen die schnellen und technisch versierten Offensivspielerinnen von Malmö, sie wirkte insgesamt einfach viel zu langsam und behebig. Im eigenen Angriffsspiel zeigte man größtenteils Fußball ohne Hirn und Verstand, der Ball wurde fast immer nur hoch und ungenau in den Sturm gespielt und dann rückte man auch nicht nach. Von 10 Feldspielerinnen rückten bei Angriffen oft nur drei auf, der Rest blieb hinten in der eigenen Hälfte, so ergaben sich im Mittelfeld teilweise riesige Räume und Löcher. Technisch haben die Damen einiges drauf, spielerisch war es aber leider viel zu wenig. Wenn ich die heute gezeigte Leistung des SV Neulengbach mit einer Liga der Männer aus Wien vergleichen würde, müsste ich sie wohl in der 1. Klasse einordnen, höchstens.
Was mich nach dem Spiel am meisten beschäftigte: Woher kommt dieser gravierende Unterschied zwischen österreichischen und ausländischen Mannschaften? Das Problem dieses Niveauunterschieds besteht genauso auch bei den Männern, ich bin zu folgendem Schluss gekommen: die Liga und die einheimische Konkurrenz ist Schuld. Ich habe mir die Ergebnisse der Spiele der Frauen von der aktuellen Saison angesehen, wenn man in jedem Spiel den Gegner mit 5 bis 11 Toren abschießt ist man kaum gefordert und wird bei der einheimischen Konkurrenz kaum ausreichende Fortschritte erzielen können. Mein Vorschlag dazu: man sollte die Ligen länderübergreifend zusammenlegen, die Top 4-5 Teams von Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien in einer Spielklasse vereinen. Dies würde zu einer höchstattraktiven Liga führen und die Vereine hätten auch etwas davon, sie könnten sich mit besseren Teams als Wiener Neustadt, Kapfenberg und Mattersburg messen (die m.M.n. sowieso nichts in einer Bundesliga verloren haben). Soviel mal dazu von mir, falls jemand anderer Meinung ist oder andere Vorschläge hat so kann er sich gerne bei mir melden, ich höre sie mir gerne an.
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